Meldung von 2019
Wölfe reißen Schafe
Ein Rissgutachten des Landesamts bestätigte, was Augenzeugen berichtet hatten. Der Fall zeigt, wie die Prüfung solcher Vorfälle abläuft.
Stand dieses Beitrags: 13. Dezember 2019
Seit dieser Meldung hat sich die Rechtslage grundlegend geändert: Die EU hat im Juli 2025 den Schutzstatus des Wolfs abgesenkt, und mit der BayJG-Novelle vom 1. April 2026 unterliegen Wolf und Goldschakal in Bayern dem Jagdrecht (§ 18 Nr. 1.29 und 1.30 AVBayJG). Eine Jagdzeit ist damit nicht eröffnet: Nach § 19 Abs. 5 AVBayJG darf die Jagd auf Wölfe nur ausgeübt werden, soweit und solange eine naturschutzrechtliche Ausnahme oder Befreiung das zulässt. Ob das im Einzelfall so ist, sagen die zuständige Naturschutzbehörde und die untere Jagdbehörde.
Was passiert ist
In der Nacht zum zweiten Dezemberwochenende 2019 wurden in Ohrdruf im Landkreis Gotha mehrere Schafe gerissen. Das Thüringer Landesamt bestätigte den Wolf als Verursacher mit einem Rissgutachten vom 8. Dezember 2019. Vermutet wurde, dass ein Rudel mit Revier auf dem dortigen Truppenübungsplatz seinem Nachwuchs das Jagen beibrachte.
Warum das Gutachten zählt
Ein Rissgutachten ist mehr als eine Formalie. Untersucht werden Bissspuren, das Verletzungsmuster und DNA-Proben vom Kadaver. Erst daraus ergibt sich, ob ein Wolf, ein Hund oder ein Fuchs am Werk war – und erst dann greifen Entschädigungsregelungen für den Tierhalter.
Das ist der Grund, warum Halter gerissene Tiere nicht wegräumen sollten, bevor die zuständige Stelle sie gesehen hat. Ohne Begutachtung keine Entschädigung.
Mehrere Tiere in einer Nacht
Dass bei einem Riss mehr Tiere sterben, als der Wolf fressen kann, wirkt auf viele Menschen sinnlos oder grausam. Biologisch ist es erklärbar: Eine eingezäunte Herde kann nicht auseinanderlaufen; die Fluchtbewegungen lösen beim Beutegreifer immer wieder neu das Beutefangverhalten aus. Hunde, die in eine Schafherde geraten, richten denselben Schaden an.
Was Herdenschutz leisten kann
Wolfsabweisende Zäune, Herdenschutzhunde und nächtliches Einpferchen senken das Risiko erheblich. Sie kosten Zeit und Geld – für Wanderschäfer oft mehr, als betriebswirtschaftlich tragbar ist. Genau an diesem Punkt setzt die Debatte an, die im Beitrag Herdenschutz beschrieben ist.
Häufige Fragen
Eine amtliche Untersuchung des getöteten Tieres. Anhand von Bissspuren, Verletzungsmuster und DNA-Proben wird festgestellt, welche Tierart den Riss verursacht hat. Erst dieses Gutachten entscheidet über Entschädigungen.
Trifft ein Wolf auf eine Herde, die nicht fliehen kann, löst das ein wiederholtes Beutefangverhalten aus. Dasselbe passiert bei Hunden. Mit Hunger hat es wenig zu tun.
Wölfe sind in aller Regel sehr menschenscheu. Übergriffe auf Menschen sind in Mitteleuropa außerordentlich selten.