Ohne Mythen
Voraussetzungen für den Jagdschein
Um Jagd und Waffen ranken sich viele Gerüchte. Hier steht, was tatsächlich verlangt wird.
Was ein Jagdschein überhaupt ist
In den Medien wird der Jagdschein gern als Waffenschein bezeichnet. Das ist falsch. Er ist eine personenbezogene Urkunde, die ihren Inhaber zur Jagdausübung zulässt – und die zum Führen bestimmter Jagdwaffen nach § 13 Abs. 6 WaffG berechtigt. Die Vorschrift umfasst auch das nicht schussbereite Führen im Zusammenhang mit den dort genannten Tätigkeiten. Eine allgemeine Waffenführerlaubnis für die Öffentlichkeit ist das nicht.
Die Gültigkeit hängt nicht vom Bundesland ab: Ein in Bayern erworbener Jagdschein gilt in ganz Deutschland. In Österreich heißt das Dokument Jagdkarte, in der Schweiz Jagdpatent.
Sinn der Sache ist, dass nur ausgebildete Personen jagen. Bei unserer Ausbildung bereitest Du Dich in einem Kurs auf die staatliche Jägerprüfung in Bayern vor. Welche Ausbildung und Nachweise vorgeschrieben sind, richtet sich nach dem Prüfungsbundesland.
Jagdschein ist nicht gleich Jagdrecht
Mit dem Jagdschein in der Tasche darfst Du nicht im nächsten Wald losziehen. Du brauchst zusätzlich ein eigenes Revier oder einen Begehungsschein. Der Jagdschein ist die Zulassung, nicht die Erlaubnis für ein bestimmtes Gebiet.
Die Voraussetzungen im Einzelnen
- Bestandene Jägerprüfung. Davor steht die Teilnahme an einem Lehrgang. Die Zahl der Pflichtstunden regelt jedes Bundesland selbst – in Bayern sind es mindestens 120 Stunden, davon mindestens 60 Praxisstunden. Die Schießausbildung wird nach § 7 JFPO darauf nicht angerechnet.
- Persönliche Zuverlässigkeit nach dem Waffengesetz sowie ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis. Das prüft die Behörde, nicht die Jagdschule.
- Jagdhaftpflichtversicherung mit mindestens 500.000 € Deckung für Personenschäden und 50.000 € für Sachschäden – mehr dazu unter Jagdhaftpflichtversicherung.
- Mindestalter. Zur Prüfung musst Du das 15. Lebensjahr vollendet haben, der Jagdschein wird mit 16 erteilt – Einzelheiten unter Jagdschein Alter.
Beantragt wird der Jagdschein bei der unteren Jagdbehörde, meist im Landratsamt. Welche Unterlagen dort vorzulegen sind, steht unter Wissenswertes zum Jagdschein.
Was die Behörde prüft – und was ausschließt
„Zuverlässigkeit nach dem Waffengesetz“ klingt nach Ermessen, ist aber genau geregelt. § 5 WaffG kennt zwei Stufen, und sie unterscheiden sich erheblich.
| Stufe | Wann | Wie lange |
|---|---|---|
| Absolut § 5 Abs. 1 |
Verurteilung wegen eines Verbrechens – oder wegen einer vorsätzlichen Straftat zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe. Kein Ermessen. | 10 Jahre ab Rechtskraft |
| In der Regel § 5 Abs. 2 |
Vorsätzliche Straftat mit mindestens 60 Tagessätzen Geldstrafe – oder zweimal eine geringere. Ausdrücklich genannt sind auch Verstöße gegen das Bundesjagdgesetz. | 5 Jahre ab Rechtskraft |
Der Unterschied ist wichtig: „in der Regel“ heißt, dass die Behörde den Einzelfall ansehen kann. Absolut heißt absolut.
Dazu kommt die persönliche Eignung nach § 6 WaffG: volle Geschäftsfähigkeit, keine Abhängigkeit von Alkohol oder anderen Mitteln, keine psychische Erkrankung, die den sicheren Umgang mit Waffen in Frage stellt.
Die Behörde holt mehrere Auskünfte ein: das Bundeszentralregister (unbeschränkte Auskunft), das zentrale staatsanwaltschaftliche Verfahrensregister, die Landespolizei beziehungsweise das Landeskriminalamt, die Bundespolizei, das Zollkriminalamt und im Einzelfall das Bundeskriminalamt. Hinzu kommt die zuständige Verfassungsschutzbehörde (§ 5 Abs. 5 WaffG).
Unter 25? Für Jäger entfällt das Gutachten
Wer unter 25 ist, muss für die erste Waffenerlaubnis sonst ein amts- oder fachärztliches oder fachpsychologisches Zeugnis über die geistige Eignung vorlegen – auf eigene Kosten (§ 6 Abs. 3 WaffG). Für Jäger gilt das nicht: § 13 Abs. 2 Satz 1 WaffG nimmt sie davon ausdrücklich aus. Mehr dazu unter Waffenbesitzkarte.
Das ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Ob im Einzelfall etwas entgegensteht, entscheidet allein die zuständige Behörde – und die sagt es Dir auf Nachfrage, bevor Du einen Kurs buchst.
Wem das Jagdrecht zusteht
In Deutschland steht das Jagdrecht dem Grundeigentümer zu – meist Waldbesitzern oder Landwirten. Wer eine zusammenhängende Fläche von mindestens 75 Hektar besitzt (so die Regelung in Baden-Württemberg), kann darauf einen Eigenjagdbezirk bilden und nach Vorlage des Jagdscheins selbst jagen.
Kleinere Flächen schließen sich der örtlichen Jagdgenossenschaft an. Diese bildet aus den Grundflächen einer Gemeinde einen gemeinschaftlichen Jagdbezirk, der mindestens 150 Hektar umfassen muss. Das Jagdausübungsrecht wird dann an Jäger mit gültigem Jagdschein übertragen – meist über einen Pachtvertrag oder einen Begehungsschein.
Und dann?
Der Weg dorthin führt über einen Jagdscheinkurs – Schritt für Schritt beschrieben unter Jagdschein machen. Welche Formate es gibt und was sie kosten, steht in der Preisübersicht; alles zum Ablauf der Ausbildung unter Jagdausbildung. Wie lange der Jagdschein gilt und wie er verlängert wird, erklärt Gültigkeit und Verlängerung.
Häufige Fragen
Nein. Der Jagdschein ist eine personenbezogene Urkunde, die zur Jagdausübung berechtigt. Für das Führen von Jagdwaffen gelten die Voraussetzungen des § 13 Abs. 6 WaffG, einschließlich des nicht schussbereiten Führens im Zusammenhang mit den dort genannten Tätigkeiten. Er ist keine allgemeine Erlaubnis zum Führen von Waffen in der Öffentlichkeit.
Nein. Du brauchst zusätzlich ein eigenes Revier oder einen Begehungsschein. Der Jagdschein allein ist die Zulassung, nicht die Berechtigung für ein bestimmtes Gebiet.
Mindestens 500.000 € für Personenschäden und 50.000 € für Sachschäden – über die gesamte Laufzeit des Jagdscheins.
Das hängt von der Strafe ab. § 5 Abs. 1 WaffG schließt für zehn Jahre aus, wer wegen eines Verbrechens oder wegen einer vorsätzlichen Straftat zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wurde. § 5 Abs. 2 nennt fünf Jahre bei mindestens 60 Tagessätzen Geldstrafe für eine vorsätzliche Tat – dort steht allerdings „in der Regel“, die Behörde kann den Einzelfall ansehen. Frag vor der Kursbuchung bei Deiner Behörde nach.
§ 5 Abs. 5 WaffG nennt das Bundeszentralregister, das zentrale staatsanwaltschaftliche Verfahrensregister, zuständige Polizeibehörden, die Bundespolizei und das Zollkriminalamt sowie bei Bedarf das Bundeskriminalamt. Dazu kommt die zuständige Verfassungsschutzbehörde. Die Prüfung nimmt die Behörde vor.
Das regelt jedes Bundesland selbst. In Bayern sind mindestens 120 Stunden vorgeschrieben, davon mindestens 60 Praxisstunden. Die Schießausbildung zählt nach § 7 JFPO nicht dazu. Unser Kursplan sieht Theorie- und Praxisunterricht vor; die Anforderungen anderer Bundesländer können abweichen.
Nein. In Österreich heißt das Dokument Jagdkarte, in der Schweiz Jagdpatent – beide haben eigene Voraussetzungen.