Meldung von 2018
Herdenschutz: Schäfer fordern Schusswaffen
Nicht der Riss allein macht den Schäfern zu schaffen, sondern das, was danach kommt: traumatisierte Herden, weniger Lämmer, weniger Zukunft.
Stand dieses Beitrags: 17. September 2018
Seit dieser Meldung hat sich die Rechtslage grundlegend geändert: Die EU hat im Juli 2025 den Schutzstatus des Wolfs abgesenkt, und mit der BayJG-Novelle vom 1. April 2026 unterliegen Wolf und Goldschakal in Bayern dem Jagdrecht (§ 18 Nr. 1.29 und 1.30 AVBayJG). Eine Jagdzeit ist damit nicht eröffnet: Nach § 19 Abs. 5 AVBayJG darf die Jagd auf Wölfe nur ausgeübt werden, soweit und solange eine naturschutzrechtliche Ausnahme oder Befreiung das zulässt. Ob das im Einzelfall so ist, sagen die zuständige Naturschutzbehörde und die untere Jagdbehörde.
Die Ausgangslage
Über 150 Jahre galt der Wolf in Deutschland als ausgestorben. Seit dem Jahr 2000 gibt es wieder frei lebende Rudel, und ihre Zahl ist seitdem deutlich gewachsen. Für Weidetierhalter hat das praktische Folgen.
2018 positionierte sich der Förderverein der Deutschen Schafhaltung deutlich: Schäfer sollten Waffen führen und gegen Wölfe einsetzen dürfen. Der Vorsitzende beantragte im Landkreis Harburg eine entsprechende Erlaubnis. Gemeint war dabei ausdrücklich Vergrämung – Schreckschussmunition oder Gummigeschosse –, in der Erwartung, dass Wölfe schnell lernen, Schafe stünden unter dem Schutz von Menschen.
Das unterschätzte Problem
Bemerkenswert an der Debatte war ein Punkt, der in Schlagzeilen selten vorkommt: Nicht nur die gerissenen Tiere sind der Schaden. Herden bleiben nach einem Angriff verstört, fressen schlechter und setzen weniger Lämmer. Der wirtschaftliche Verlust reicht damit weit über die getöteten Schafe hinaus – und wird von Entschädigungen, die sich an Rissen bemessen, nicht abgebildet.
Die Antwort der Politik
Das niedersächsische Umweltministerium signalisierte Verständnis für die Lage der Schäfer und arbeite an einer Lösung. Eine Grenze zog es allerdings klar:
Selbstjustiz ist keine Option
Illegale Wolfsabschüsse sind eine Straftat. Genannt wurden Geldstrafen bis zu 50.000 Euro oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. Für Jagdscheininhaber kommt der Verlust der jagdrechtlichen Zuverlässigkeit hinzu – und damit das Ende der Jagd.
Ein Wort zur Verhältnismäßigkeit
Wölfe sind sehr menschenscheu. Die in manchen Medien beschworene „Wolfsplage“ hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand. Das entwertet die Sorgen der Weidetierhalter nicht – ihre Probleme sind real und betriebswirtschaftlich ernst. Es heißt nur, dass zwei verschiedene Dinge auseinanderzuhalten sind: die Gefährdung von Nutztieren und die angebliche Gefährdung von Menschen.
Wie es weiterging
Die Debatte hat sich seit 2018 bewegt. Im Juli 2025 hat die EU den Schutzstatus des Wolfs abgesenkt. Mit der BayJG-Novelle vom 1. April 2026 sind Wolf und Goldschakal in Bayern in die Liste der jagdbaren Arten aufgenommen worden.
Das heißt nicht, dass Wölfe seitdem bejagt werden dürfen. Die Verordnung sagt es selbst: Die Jagd auf Wölfe darf nur ausgeübt werden, „soweit und solange eine naturschutzrechtliche Ausnahme oder Befreiung dies zulässt“ (§ 19 Abs. 5 AVBayJG). Das Jagdrecht regelt also das Wie, nicht das Ob – die Entscheidung fällt im Naturschutzrecht. Wer wissen will, was heute konkret erlaubt ist, fragt bei der zuständigen Naturschutzbehörde nach – nicht bei einem Beitrag aus dem Jahr 2018.
Wie ein konkreter Fall untersucht wird, steht im Beitrag Wölfe reißen Schafe.
Häufige Fragen
Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung forderte, dass Schäfer Waffen führen und gegen Wölfe einsetzen dürfen – vorgeschlagen wurde Vergrämung mit Schreckschussmunition oder Gummigeschossen, nicht der Abschuss.
Er ist eine Straftat. Genannt wurden Geldstrafen bis 50.000 Euro oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. Für Jagdscheininhaber kommt der Verlust der jagdrechtlichen Zuverlässigkeit hinzu.
Wölfe sind sehr menschenscheu. Die Darstellung als allgegenwärtige Bedrohung hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand – was die realen Probleme der Weidetierhalter nicht kleiner macht.