Zum Inhalt springen
ISO 9001 zertifizierte Jagdschule Montag bis Samstag, 8:00 – 20:00 Uhr 0711 652 259 67 info@jagdschule-abt.de

Vom Aufgang im Frühjahr bis zum Abwurf

Der Rehbock – Jagdzeit, Ansprechen und Bockjagd

Der Rehbock ist für viele Jungjäger das erste Stück Schalenwild. Wer ihn sicher anspricht und seinen Jahreslauf kennt, jagt ruhiger – und erlegt den richtigen.

Stand:

Gilt für Bayern und Baden-Württemberg

Jagdzeiten und Abschussplan sind Landesrecht. Die Angaben gelten für Bayern und Baden-Württemberg. Verbindlich ist das Recht Deines Landes und die Auskunft der unteren Jagdbehörde.

Rehbock steht in dichtem Grün und äugt zum Betrachter

Was ist ein Rehbock?

Der Rehbock ist das männliche Reh. Er trägt ein Gehörn, das er jedes Jahr abwirft und neu schiebt. Im Frühjahr und Sommer ist er territorial: Er markiert seinen Einstand durch Fegen und verteidigt ihn gegen andere Böcke. Der einjährige Bock heißt Jährling; er ist noch nicht territorial.

Jagdzeit auf den Rehbock

Die Jagdzeiten sind Landesrecht – und beim Rehbock unterscheiden sich Bayern und Baden-Württemberg deutlich:

Wildart Bayern Baden-Württemberg
Rehwild – Böcke 16.04. – 15.10. 01.05. – 31.01.
Rehwild – Schmalrehe 16.04. – 15.01. 01.05. – 31.01.

In Bayern beginnt die Bockjagd seit der Jagdgesetz-Novelle 2026 schon am 16. April statt am 1. Mai. In Baden-Württemberg beginnt sie am 1. Mai, endet aber erst am 31. Januar – dreieinhalb Monate später als in Bayern. Alle Jagdzeiten beider Länder stehen unter Jagdzeiten von Wild.

Der Rehbock im Jahreslauf

Wer weiß, was der Bock gerade tut, weiß auch, wo und wann er ihn findet. Die Monate sind Richtwerte: Alter, Kondition und Witterung verschieben sie.

Zeit Was passiert
Oktober bis Dezember Abwurf des Gehörns. Mehrjährige Böcke werfen meist im Oktober oder November ab.
Winter Das neue Gehörn wächst unter der Basthaut – der Bock schiebt.
März und April Mehrjährige Böcke haben das Gehörn verfegt. Je älter der Bock, desto früher. Jährlinge verfegen später.
Frühjahr Verfärben ins rote Sommerhaar. Jährlinge verfärben vor den älteren Böcken. Die Böcke besetzen ihre Einstände.
Mai und Juni Die Geißen setzen ihre Kitze, meist ein bis drei.
Juli und August Brunft – die Blattzeit. Der Bock treibt die Geiß und folgt ihrem Fieplaut.
Rehbock steht in einem abgereiften Getreidefeld
Die Jagdzeit sagt, wann geschossen werden darf. Wann es sinnvoll ist, sagt sie nicht.

Jährling oder älterer Bock ansprechen

Das Gehörn verrät das Alter schlechter, als viele denken: Knopfböcke gibt es in jedem Alter. Verlässlicher ist das Gesamtbild aus Körper, Haltung und Verhalten:

  Jährling Älterer Bock
Körper schlank, auf langen Läufen kräftig und gedrungen
Träger dünn, fast senkrecht getragen stark, eher waagerecht getragen
Verfärben im Frühjahr früh spät
Verfegen spät früh
Verhalten unruhig, unbedarft, noch nicht territorial vorsichtig, misstrauisch, territorial

Kein einzelnes Merkmal genügt. Sprich den Bock in Ruhe an, am besten mehrfach und neben anderen Stücken. Im Zweifel bleibt der Finger gerade.

Bockjagd im Frühjahr

Zu Beginn der Jagdzeit sind die Böcke gut zu sehen: Die Vegetation ist noch niedrig, und die Böcke sind mit ihren Einständen beschäftigt. Jetzt fallen auch die Jährlinge auf, die noch keinen eigenen Einstand haben.

Gejagt wird vor allem vom Ansitz am Morgen und am Abend, an Wiesen, Feldrändern und Waldkanten. Die Pirsch ist schwieriger, weil Rehwild Bewegung sehr schnell wahrnimmt – sie lohnt sich bei gutem Wind und weichem Boden.

Blattjagd in der Brunft

Im Juli und August lässt sich der Bock mit dem nachgeahmten Fieplaut der Geiß anlocken. Wie das geht, worauf es beim Wind ankommt und warum ein verblatteter Bock nicht wiederkommt, steht in unseren Tipps für die Blattjagd.

Waffe und Munition

Für Rehwild schreiben beide Länder Büchsenpatronen mit mindestens 1.000 Joule Auftreffenergie auf 100 Meter vor. Die Fundstelle ist verschieden: In Bayern gilt § 19 BJagdG, Baden-Württemberg nennt dieselben Werte in § 31 Abs. 1 Nr. 7 JWMG.

In Baden-Württemberg ist auf Schalenwild außerdem Munition verboten, deren Inhaltsstoffe beim Verzehr des Wildbrets ein Gesundheitsrisiko darstellen (§ 31 Abs. 1 Nr. 4 JWMG) – praktisch heißt das bleifrei. In Bayern gibt es keine landesweite Pflicht; die Bayerischen Staatsforsten jagen in ihrem Regiejagdbetrieb aber ausschließlich bleifrei.

Der Schuss auf den stehenden Rehbock ist auch Teil der Schießprüfung in Bayern: vier Schuss auf die DJV-Rehbockscheibe aus 100 Metern.

Abschussplan: Was in beiden Ländern gilt

In Baden-Württemberg gibt es für Rehwild seit dem 1. April 2016 keinen behördlichen Abschussplan mehr. Ist die Jagd verpachtet, ist stattdessen eine Zielvereinbarung zwischen Jagdgenossenschaft oder Eigenjagdbesitzer und Pächter vorgesehen. Sie reicht vom genauen Abschussplan bis zum Verzicht auf Zahlen und wird mindestens alle drei Jahre erneuert, im Takt des Forstlichen Gutachtens.

In Bayern ist der Abschussplan für Rehwild seit dem 1. April 2026 kein Muss mehr. Die Jagdgenossenschaft – bei Eigenjagden der Eigenjagdbesitzer – kann die Bejagung ohne Abschussplan beschließen und der unteren Jagdbehörde anzeigen (Art. 32a BayJG). Dafür gibt es Auflagen, etwa einen jährlichen Waldbegang in verpachteten Revieren und eine Vereinbarung, wie der Abschuss gemeldet wird. Wer will, bleibt beim Abschussplan. Streckenliste und Hegeschau mit Trophäenvorlage bleiben bestehen.

Häufige Fragen

Weiterlesen

Jagdpraxis

Gehörschutz für Jäger

Gehörschutz auf der Jagd und am Schießstand: wie laut ein Schuss ist, welche Arten es gibt, was SNR und EN 352…

Jagdpraxis

Trap schießen: Regeln und Tipps

Trap im Schießsport und in der jagdlichen Praxis: Ablauf, Wurfscheiben, Voranschlag, Unterschiede zu Skeet und Parcours…

Alle Beiträge ansehen

Ansprechen lernt man draußen

Im Lehrrevier und bei der Schießausbildung üben wir, was am Rehbock zählt: sicher ansprechen und ruhig schießen.

Anfrage Anrufen: 0711 652 259 67