Blattzeit im August
Tipps für die erfolgreiche Blattjagd
Wenige Jagdarten sind so unmittelbar wie die Blattjagd. Und wenige verzeihen so wenig – ein falscher Ton, und der Bock kommt nie wieder.
Erst schauen, dann blatten
Bevor der erste Laut fällt, verschaffe Dir einen Überblick. Such Dir einen Platz mit Sicht, setz Dich hin und beobachte. Achte besonders auf die unmittelbare Umgebung: Häufig steht schon Wild in der Nähe, das Du beim Aufbaumen übersehen hast.
Beweg Dich dabei so wenig wie möglich. Rehwild nimmt Bewegung sehr viel schneller wahr als Farben oder Formen. Und dann: warten. Etwa eine halbe Stunde, bis sich die Umgebung beruhigt hat.
Der Wind entscheidet alles
Es wird niemals mit dem Wind geblattet. Bekommt der Bock Deine Witterung, bevor er Dich sieht, ist er weg – und er bleibt weg.
Für die Windrichtung reicht ein einfaches Hausmittel: Seifenblasen aus dem Kinderzimmer. Sie zeigen auch Luftbewegungen an, die zu schwach sind, um sie an der Hand zu spüren.
Der Rhythmus
- Erste Runde, leise. Kurzes, kräftiges Fiepen signalisiert eine Ricke in der Nähe. Zwei- bis dreimal im Abstand weniger Minuten wiederholen, dann zehn Minuten Pause. Sei in dieser Pause auf der Hut: Ein Bock, der in der Nähe lag, steht manchmal sofort zu.
- Zweite Runde, lauter. Kommt nichts, geht es mit lauteren Fieptönen weiter, damit auch entferntere Böcke sie hören. Drei Wiederholungen mit ein bis drei Minuten Pause.
- Dritte Runde: den treibenden Bock. Ganz zarte Fieplaute in Verbindung mit lockenden Pia-Tönen, die an- und wieder abschwellen, täuschen ein Treiben vor. Das bringt manchen Bock zum Springen, der auf alles andere nicht reagiert hat.
Auf dem Hochsitz nach unten blatten
Auf dem Feld ist der Ansitz auf einem Hochstand im Vorteil – bessere Sicht, besserer Kugelfang. Blatte dann leicht nach unten: Der Schall wird vom Boden zurückgeworfen, und für den Bock klingt es, als säße das Reh am Boden und nicht in fünf Metern Höhe.
Beobachten während des Blattens
Der wichtigste Sinn bleibt das Auge. Nähert sich ein Bock, kündigen ihn meist andere Tiere an: Vögel werden hektisch, Eichelhäher warnen. Wer nur auf den Ton achtet, übersieht die Bewegung.
Wenn ein Bock verblattet ist
Steht der Bock plötzlich auf zehn Metern, erschrickt der Jäger – und
der Bock verschwindet. Verbindet er den Laut künftig mit dem Menschen,
gilt er als verblattet und reagiert oft für den Rest
der Blattzeit nicht mehr.
Passiert es: keine ruckartige Bewegung. Warte, bis er weg ist, und
versuch es später erneut – jetzt weißt Du wenigstens, aus welcher
Richtung er kommt. Und: einem abspringenden oder schreckenden
Bock wird nie nachgeblattet.
Der richtige Zeitpunkt
Dieselbe Unruhe, die das Blatten überhaupt erst möglich macht, bringt das Rehwild auch auf die Straße: In der Blattzeit steigen die Wildunfälle spürbar an – siehe Rehe auf den Straßen.
Die Blattzeit liegt üblicherweise zwischen Ende Juli und Ende August. Je nach Höhenlage, Witterung und Strenge des vorangegangenen Winters verschiebt sie sich um ein bis zwei Wochen. Einen Kalendertag, an dem es losgeht, gibt es nicht.
Der rechtliche Rahmen in Bayern
Jagdzeit für Rehböcke: 16.04. – 15.10., für Schmalrehe 16.04. – 15.01.. Der Jagdzeitbeginn wurde mit der BayJG-Novelle 2026 vom 1. Mai auf den 16. April vorgezogen. Die Blattzeit im August liegt damit bequem innerhalb der Jagdzeit – wichtig wird die Grenze erst gegen Mitte Oktober. Alle Zeiten stehen unter Jagdzeiten in Bayern.
Und der beste Rat zum Schluss: Lies die Natur statt den Kalender. Wann die Böcke tatsächlich treiben, zeigt Dir das Revier zuverlässiger als jede Tabelle.
Wie Du den Bock sicher ansprichst und was ihn das Jahr über bewegt, steht unter Rehbock: Jagdzeit, Ansprechen und Bockjagd.
Häufige Fragen
Die Blattzeit liegt üblicherweise zwischen Ende Juli und Ende August, mit dem Schwerpunkt um die Monatsmitte. Höhenlage, Witterung und der vorangegangene Winter verschieben sie um ein bis zwei Wochen.
Ein bewährtes Hausmittel sind Seifenblasen. Sie zeigen auch schwache Luftbewegungen an, die man mit angefeuchtetem Finger nicht mehr spürt.
Ein Bock ist verblattet, wenn er den Fieplaut mit dem Menschen verbindet. Er reagiert dann nicht mehr darauf – oft für den Rest der Saison.
Etwa eine halbe Stunde, bis sich die Umgebung beruhigt hat. Wer sofort anfängt zu blatten, blattet in einen Wald hinein, der ihn gerade erst gehört hat.
