Wildbrethygiene
Trichinen beim Wild
Jede Wildsau muss auf Trichinen untersucht werden – man sieht dem Fleisch nichts an. Was diese Parasiten sind, bei welchem Wild geprüft wird, und was die Untersuchung kostet.
Stand dieses Beitrags: 17. August 2018
Diese Meldung beschreibt einen Erlass des Landes Baden-Württemberg vom Juni 2018. Zuschüsse und Gebühren ändern sich. Ob und in welcher Höhe derzeit bezuschusst wird, sagt Dir die untere Verwaltungsbehörde Deines Landkreises.
Was Trichinen sind
Trichinen sind winzige Fadenwürmer, kaum einen Millimeter lang, die parasitisch leben. Säugetiere dienen ihnen als Wirt. Beim Menschen heißt die Erkrankung Trichinellose; sie ist meldepflichtig und kann in schweren Fällen lebensbedrohlich verlaufen.
Das Tückische ist der Weg, den sie nehmen. Ein Tier frisst Fleisch, in dem eingekapselte Larven sitzen. Im Darm werden sie frei, vermehren sich, und die neuen Larven wandern über die Blutbahn in die quergestreifte Muskulatur – dort kapseln sie sich wieder ein und warten. Man sieht dem Fleisch nichts an. Kein Geruch, keine Verfärbung, keine auffällige Konsistenz. Deshalb hilft auch kein geschultes Auge, sondern nur die Untersuchung.
Bei welchem Wild die Untersuchung Pflicht ist: bei Schwarzwild und Dachs sowie bei anderen Allesfressern und Fleischfressern, sofern das Fleisch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist. Rehwild, Rotwild und anderes Schalenwild sind nicht betroffen – sie sind Pflanzenfresser. Ohne bestandene Untersuchung darf das Fleisch nicht in den Verkehr gebracht werden, auch nicht verschenkt.
Die Probe wird an einer Stelle genommen, an der sich die Larven bevorzugt einnisten – beim Schwarzwild vor allem am Zwerchfellpfeiler. Untersucht wird im zuständigen Untersuchungsamt. Fällt der Befund positiv aus, ist das Stück untauglich; der Fund wird gemeldet.
Was Trichinen abtötet – und was nicht
Ausreichendes Erhitzen tötet Trichinen zuverlässig ab. Räuchern, Pökeln und Trocknen nicht. Auch das Einfrieren ist kein sicherer Schutz: Einzelne Trichinenarten überstehen es. Rohe Wildschweinwurst aus ungeprüftem Fleisch ist deshalb kein Kavaliersdelikt, sondern ein reales Risiko – für den, der sie isst.
Probenahme, Beurteilung und die Bedenklichkeitsmerkmale gehören zur Ausbildung – in der Jägerprüfung wird das Sachgebiet Wildbrethygiene abgefragt.
Was beschlossen wurde
In einem Erlass vom 22. Juni 2018 hat Baden-Württemberg im Rahmen seines Maßnahmenpakets gegen die Afrikanische Schweinepest einen Zuschuss zur Trichinenuntersuchung zugesagt. Bis dahin trugen die Jagdausübungsberechtigten beziehungsweise die unteren Verwaltungsbehörden diese Kosten vollständig.
- 4 € je Probe, wenn der Jagdausübungsberechtigte zur Probenahme berechtigt ist und sie selbst entnommen hat – unabhängig vom Ort der Erlegung.
- 6 € je Probe für die untere Verwaltungsbehörde, wenn Einzelproben vorliegen und die amtliche Entnahme und Untersuchung bei Bewegungsjagden gebührenfrei gestellt wird.
Hauptbedingung in beiden Fällen: Der Jäger musste von der finanziellen Belastung vollständig befreit sein. Der Zuschuss sollte nicht Kassen entlasten, sondern die Bejagung erleichtern.
Warum das Land zahlte
Die Begründung war dieselbe wie bei der Förderung von Drückjagden: Jäger erfüllen bei drohender Tierseuche eine gesellschaftliche Aufgabe. Bei hohen Strecken wird zudem die Vermarktung schwierig – wenn dann auch noch die Untersuchungsgebühr an den Jägern hängen bleibt, sinkt die Bereitschaft, mehr zu schießen.
Für alle, die Wild kaufen statt erlegen, steht die praktische Seite im Beitrag Wild zu Weihnachten.
Häufige Fragen
Winzige parasitisch lebende Fadenwürmer. Säugetiere dienen ihnen als Wirt; über rohes oder ungenügend erhitztes Fleisch können sie auch auf den Menschen übergehen.
Bei Wildschwein, Dachs und anderen Allesfressern sowie Fleischfressern, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Ohne bestandene Untersuchung darf das Fleisch nicht in den Verkehr gebracht werden.
Nicht zuverlässig. Manche Trichinenarten überstehen das Einfrieren. Sicher abgetötet werden sie nur durch ausreichendes Erhitzen – Pökeln und Räuchern genügen nicht.
Der kundige Jagdausübungsberechtigte selbst, wenn er dazu berechtigt ist, oder eine amtliche Stelle. Die Untersuchung erfolgt im zuständigen Untersuchungsamt.
