Meldung von 2018
West-Nil-Virus bestätigt: Deutschland ist betroffen
Ein Tierarzt infizierte sich bei der Obduktion eines Bartkauzes. Seitdem gilt: tote Wildvögel nur mit Handschuhen anfassen.
Stand dieses Beitrags: 12. Dezember 2018
Diese Meldung stammt aus dem Jahr 2018, als das West-Nil-Virus erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde. Die Lage hat sich seitdem verändert – das Virus tritt inzwischen regelmäßig auf. Den aktuellen Stand nennen das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiere und das Robert-Koch-Institut für Menschen.
Der erste Nachweis
Das West-Nil-Virus wurde 1937 erstmals in Uganda beschrieben. Ende August 2018 wurde es in Deutschland bei einem Bartkauz nachgewiesen – der erste bestätigte Fall im Land. Bis zum Jahresende meldete das Friedrich-Loeffler-Institut zehn positiv getestete Vögel aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Berlin, Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Aus Tschechien wurden im selben Zeitraum acht Todesfälle und fünf schwere Erkrankungen gemeldet.
Warum Greifvögel und Eulen
Besonders empfänglich sind Greifvögel, Eulen und Rabenvögel. Bei ihnen endet eine Infektion häufig tödlich. Symptome sind Apathie, Gewichtsverlust, Blindheit, Gleichgewichtsstörungen und Störungen des Nervensystems.
Das eigentliche Problem: Bei den meisten Vögeln verläuft die Erkrankung klinisch unsichtbar. Man sieht dem Tier nichts an. Wer einen toten Vogel findet, kann nicht abschätzen, woran er gestorben ist.
Tote Vögel nur mit Handschuhen
Ein Tierarzt hat sich 2018 bei der Obduktion eines Bartkauzes
infiziert – vermutlich durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten.
Er ist wieder genesen.
Deutscher Jagdverband und Deutscher Falkenorden raten seitdem: tote
Wildvögel ausschließlich mit Handschuhen anfassen, in
Plastiktüten auslaufsicher verpacken und dem zuständigen
Veterinäruntersuchungsamt zuführen. Fundmeldungen gehören zusätzlich
ins Tierfundkataster des DJV.
Für Menschen
Beim Menschen verlaufen die meisten Infektionen klinisch unauffällig oder mit grippeähnlichen Symptomen – weshalb sie oft spät oder gar nicht erkannt werden. Schwere Verläufe sind möglich, aber selten. Hauptübertragungsweg sind Stechmücken.
Was heute gilt
Was 2018 als Einzelfall gemeldet wurde, ist inzwischen ein wiederkehrendes Geschehen. Für die jagdliche Praxis heißt das schlicht: Die Handschuhregel gilt nicht nur im Ausnahmefall, sondern immer, wenn Du totes Wild oder tote Vögel in die Hand nimmst – unabhängig davon, welche Seuche gerade Schlagzeilen macht.
Häufige Fragen
Greifvögel, Eulen und Rabenvögel. Bei ihnen verläuft eine Infektion häufig tödlich. Nachgewiesen wurde das Virus unter anderem bei Bartkäuzen, Habichten und Amseln.
Ja. Übertragen wird das Virus in erster Linie durch Stechmücken; eine Infektion über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Vögel ist ebenfalls möglich. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome oder grippeähnlich.
Nur mit Handschuhen anfassen und auslaufsicher verpacken. Das zuständige Veterinäruntersuchungsamt nimmt den Vogel zur Untersuchung an. Fundmeldungen gehören zusätzlich ins Tierfundkataster.
Weil ihre Vögel zu den empfänglichsten Arten gehören. Der Deutsche Falkenorden hat deshalb früh zu erhöhter Vorsicht geraten.