Wenn der Abzug einfriert
Waffenpflege im Winter
Die Pflege unterscheidet sich kaum von der im Sommer. Drei Dinge machen im Frost aber den Unterschied zwischen Ansitz und Heimweg.
Das Szenario, das jeden einmal erwischt
Du fährst mit eingeschalteter Heizung zum Revier. Beim Aussteigen ist die Waffe noch warm. Auf dem Weg zur Kanzel streifst Du verschneite Zweige; der Pulverschnee schmilzt auf dem Metall. Nach zehn Minuten hat die Waffe Außentemperatur angenommen – und das Wasser gefriert. Im schlechtesten Fall lässt sich der Abzug nicht mehr betätigen.
Das ist kein Materialfehler, sondern Physik. Und es lässt sich mit wenigen Handgriffen verhindern.
Versiegeln statt ölen
Bei Frost verlieren dünnflüssige Öle ihre Vorteile: Sie werden zäh und setzen die Mechanik eher fest, als dass sie sie leichtgängig halten. Für kritische Stellen – allen voran den Abzug – sind Trockenschmierstoffe die bessere Wahl. Sie kriechen in schwer erreichbare Bereiche, halten Feuchtigkeit ab und bleiben auch bei Minusgraden leichtgängig.
Ein Punkt, der gern übersehen wird: Trockenschmierstoffe gehören nicht in den Lauf. Sie vertragen die Hitze beim Schuss nicht und können dabei schädliche Gase freisetzen. Außen ja, innen nein.
Schwitzwasser im Inneren
Das zweite Winterproblem entsteht auf dem Rückweg. Kommt die eiskalte Waffe in den geheizten Wagen oder ins warme Haus, schlägt sich Kondenswasser nieder – auch dort, wo Du es nicht siehst.
Der einfachste Gegenzug: Futteral geschlossen lassen. Leg die Waffe im gut schließenden Futteral ab und öffne es erst nach zwei bis drei Stunden im Warmen. Die Feuchtigkeit schlägt sich dann außen am Futteral nieder statt am Verschluss.
Die Sturzgefahr
Glatteis und Schnee erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass man ausrutscht – und viele greifen im Reflex nach der Waffe wie nach einem Stock. Dabei gelangen Schnee, Laub oder Erde in den Lauf.
Nach einem Sturz: erst den Lauf prüfen
Eine Verstopfung im Lauf ist kein Schönheitsfehler. Beim Schuss kann sie zum Laufsprengen führen – mit Verletzungsgefahr für Dich und alle in der Nähe. Deshalb gehört ein kleines Reinigungsset in den Rucksack. Wer keines dabei hat und den Lauf nicht sicher frei bekommt, tritt den Heimweg an. Das ist ärgerlich und trotzdem die einzig richtige Entscheidung.
Was sich im Winter kaum ändert
An den Ablagerungen im Lauf ändert die Kälte wenig. Treibmittelreste und Geschossabrieb entstehen unabhängig von der Temperatur, und die Grundreinigung folgt denselben Regeln wie im Sommer – nachzulesen im Beitrag Die richtige Reinigung der Jagdwaffe.
Schon beim Kauf mitdenken
Wer viel im Winter jagt, tut sich mit einer pflegeleichten Waffe leichter: Kunststoffschaft statt Holz, rostträge Stähle statt brünierter Oberflächen. Das ist keine Frage von gut oder schlecht, sondern von Einsatzzweck. Ein schöner Holzschaft im Dezemberregen verlangt schlicht mehr Zeit auf der Werkbank.
Wie man sich selbst warm hält, steht übrigens im Beitrag Ansitz im Winter.
Häufige Fragen
Schnee schmilzt an der noch warmen Waffe zu Wasser. Nimmt die Waffe dann die Außentemperatur an, gefriert das Wasser – auch im Abzug. Ein Trockenschmierstoff verhindert das.
Lass die kalte Waffe im geschlossenen Futteral, wenn Du ins Warme kommst, und öffne es erst nach zwei bis drei Stunden. Dann schlägt sich die Feuchtigkeit außen nieder statt im Inneren.
Lauf kontrollieren und reinigen, bevor der nächste Schuss fällt. Schnee oder Erde im Lauf können bei einem Schuss zum Laufsprengen führen. Deshalb gehört ein kleines Reinigungsset in den Rucksack.
Dünnflüssige Öle können bei Frost zäh werden. Trockenschmierstoffe sind hier im Vorteil – vor allem an beweglichen Teilen wie dem Abzug.