Meldung von 2018
Jäger fordern ein wirksameres Vorgehen gegen Waschbären
Der Verbreitungsbereich des Waschbären hat sich in sieben Jahren fast verdoppelt. Der DJV legte dazu ein Fünf-Punkte-Papier vor.
Stand dieses Beitrags: 23. Oktober 2018
Diese Meldung stammt aus dem Jahr 2018. Zahlen, EU-Regelungen und Landesvorgaben haben sich seitdem geändert. Welche Arten aktuell auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten stehen und welche Vorgaben für ihre Bejagung gelten, sagen die untere Jagdbehörde und das Bundesamt für Naturschutz.
Klarstellung zur ursprünglichen Meldung
In der ursprünglichen Fassung dieses Beitrags stand, der heimische Waschbär werde von invasiven Arten verdrängt. Das ist falsch: Der Waschbär selbst ist die invasive Art. Er stammt aus Nordamerika und breitet sich in Deutschland seit den 1930er Jahren aus. Einen heimischen Waschbären gibt es nicht. Wir haben den Beitrag entsprechend korrigiert.
Worum es ging
Innerhalb von sieben Jahren hatte sich der Verbreitungsbereich des Waschbären nahezu verdoppelt. Das Präsidium des Deutschen Jagdverbandes forderte daraufhin ein wirksameres Management invasiver gebietsfremder Arten und legte dazu ein Fünf-Punkte-Papier vor.
Die fünf Punkte
- Jäger als verlässliche Struktur. Die Entnahme unterliegt Bundesjagd- und Bundesnaturschutzgesetz. Wer ausgebildet ist, kennt die Regeln – von Elterntierschutz bis Fangjagd.
- Regelungen entschlacken. Der DJV sah in mehreren Vorgaben mehr Bürokratie als Naturschutzwirkung und forderte, den Aufwand dort zu senken, wo er nichts bewirkt.
- Flächendeckend bejagen können. In Schutzgebieten und Siedlungsräumen ist die Bejagung eingeschränkt – also genau dort, wo Waschbären sich zurückziehen und bedrohte Arten ohnehin unter Druck stehen.
- Ressourcen sinnvoll einsetzen. Statt Einzelarten erneut zu bewerten, sollten Mittel in wirksame Fangsysteme fließen.
- Maßnahmen an der Wirklichkeit messen. Siehe unten.
Warum Kastration keine Lösung ist
Im Jagdjahr 2017/18 wurden rund 134.000 Waschbären erlegt. Die gleiche Zahl zu kastrieren, hätte nach Schätzung des Verbands rund 13 Millionen Euro gekostet – von der praktischen Umsetzbarkeit ganz abgesehen. Hinzu kommt, dass kastrierte Tiere nicht wieder freigelassen werden dürften.
Auch hormonelle Verhütungsmittel sind keine ernsthafte Alternative: Es lässt sich nicht sicherstellen, dass ausgelegte Präparate von Waschbären aufgenommen werden und nicht von anderen Tieren.
Was tatsächlich hilft
Wirksam und vergleichsweise günstig sind gezielte Schutzmaßnahmen dort, wo der Schaden entsteht: Zäune um Laich- und Brutgewässer und Manschetten an Horstbäumen. Sie schützen genau die Arten, um die es geht – ohne dass jedes einzelne Tier erreicht werden muss.
Der größere Zusammenhang steht im Beitrag Invasive Arten effektiv bekämpfen.
Häufige Fragen
Nein. Der Waschbär stammt aus Nordamerika und gilt in Europa als invasive gebietsfremde Art. Er steht auf der EU-Liste der invasiven Arten von unionsweiter Bedeutung.
Waschbären plündern Gelege von Bodenbrütern, erbeuten Amphibien und Reptilien und setzen damit Arten zu, die ohnehin unter Druck stehen. Außerdem können sie Krankheiten und Parasiten übertragen.
Rechnerisch nicht. Im Jagdjahr 2017/18 wurden rund 134.000 Waschbären erlegt. Dieselbe Zahl zu kastrieren hätte nach Schätzung des DJV etwa 13 Millionen Euro gekostet – und die Tiere hätten danach nicht freigelassen werden dürfen.