Brunftzeit im August
Autofahrer aufgepasst: Rehe auf den Straßen
Anfang bis Mitte August ist Blattzeit. Dann ziehen Böcke und Ricken auch am hellen Tag über Felder und Straßen.
Warum gerade jetzt
Anfang bis Mitte August ist die Brunft des Rehwilds – in der Jägersprache die Blattzeit. In dieser Zeit ist das Wild deutlich aktiver als im übrigen Jahr und auch tagsüber unterwegs, wo es sonst im Wald steht.
Der Grund liegt im Paarungsverhalten: Der Bock treibt die Ricke vor sich her, oft in weiten Kreisen um einen Baum oder Busch – die sogenannten Hexenringe. Dabei wird alles gekreuzt, was im Weg liegt. Auch Straßen.
Allein in einem Jahr kommen in Deutschland fast 200.000 Rehe bei Zusammenstößen mit Fahrzeugen um.
Wann Rehe unterwegs sind
Die kurze Antwort: in der Morgen- und in der Abenddämmerung. Das sind die beiden Zeitfenster, in denen die meisten Rehe in Bewegung sind – und in denen die meisten Wildunfälle passieren. Dazwischen liegt der Tag, und der sieht anders aus, als viele denken.
Rehe sind Wiederkäuer. Sie fressen nicht zweimal täglich satt, sondern äsen in vielen kurzen Gängen über den ganzen Tag und die Nacht verteilt – dazwischen liegen sie und käuen wieder. Deshalb gibt es keine Uhrzeit, zu der ein Reh sicher nicht unterwegs ist. Es gibt nur Zeiten, zu denen es wahrscheinlicher ist.
Tagsüber stehen sie im Einstand: in Deckung, im Dickicht, am Waldrand, im hohen Feld. Sichtbar sind sie dann selten – unterwegs aber durchaus. Wer bei Tageslicht ein Reh an der Straße sieht, sollte es nicht für einen Ausreißer halten.
Zwei Zeiten brechen dieses Muster. In der Blattzeit im August treibt der Bock die Ricke, und zwar ohne Rücksicht auf Tageszeit oder Asphalt. Und im Frühjahr, wenn Raps und Getreide hoch stehen, verlagert sich das Rehwild ins Feld – mit anderen Wechseln als im Winter.
Warum Rehe vors Auto laufen
Nicht aus Dummheit. Drei Dinge kommen zusammen:
- Der Wechsel war zuerst da. Wild benutzt dieselben Wege über Generationen. Eine Straße ändert daran nichts – sie liegt einfach im Weg.
- Scheinwerferlicht lähmt. Das Auge des Rehs ist auf Dämmerung eingestellt. Grelles Licht blendet es so, dass es stehen bleibt, statt zu fliehen.
- Ein Reh schätzt kein Tempo. Es hat kein Gefühl dafür, wie schnell zwei Scheinwerfer näher kommen.
Sechs Regeln
- An Waldstücken langsamer. Von 100 auf 80 km/h verkürzt den Bremsweg um rund 25 Meter – oft genau die Strecke, auf die es ankommt.
- Morgens, abends, nachts und bei Nebel besonders aufmerksam. Das sind die aktivsten Zeiten.
- Nach dem ersten Tier kommt meist ein zweites. Rehe sind selten allein unterwegs. Nach einem Wechsel nicht sofort wieder beschleunigen.
- Fernlicht zum Erkennen, Abblendlicht beim Sehen. Wo kein Gegenverkehr ist, hilft Fernlicht: Die Augen des Wildes reflektieren wie Rückstrahler. Sobald Du ein Tier erkennst, blende ab – grelles Licht lässt Wild erstarren. Kurzes Hupen bringt es eher zum Abspringen.
- Neue Straßen sind gefährlich. Wild behält seine Wechsel bei, auch wenn dort inzwischen Asphalt liegt.
- Warnschilder ernst nehmen. Sie stehen dort, wo bereits etwas passiert ist.
Nicht ausweichen
Die wichtigste Regel ist zugleich die, die am schwersten fällt: Nicht ausweichen. Ein Ausweichmanöver endet häufig am Baum oder im Gegenverkehr – die schweren Personenschäden bei Wildunfällen entstehen fast immer so, nicht durch den Zusammenstoß mit dem Tier. Fest bremsen, Lenkrad festhalten, Spur halten.
Wenn es passiert ist
Unfallstelle absichern, Warnblinker, Warnweste, Warndreieck. Dann die Polizei verständigen – sie informiert den zuständigen Jagdausübungsberechtigten. Ist Dir der Revierinhaber bekannt, kannst Du ihn auch direkt anrufen.
Verletztes Wild wird nicht von Laien getötet, und erlegtes oder verendetes Wild wird nicht mitgenommen. Beides ist unzulässig – Mitnehmen ist Wilderei. Warte auf den Jäger; er führt die Nachsuche durch und versorgt das Stück.
Wie es um die Zahlen insgesamt steht, steht im Beitrag Wildunfälle auf neuem Rekordniveau.
Häufige Fragen
Es ist Blattzeit, die Brunft des Rehwilds. Der Bock treibt die Ricke vor sich her, oft in weiten Kreisen – den sogenannten Hexenringen. Dabei wird auch tagsüber jede Straße gekreuzt.
Am stärksten in der Morgen- und in der Abenddämmerung. Weil Rehe Wiederkäuer sind und in vielen kurzen Gängen äsen, gibt es aber keine Uhrzeit, zu der sie sicher nicht unterwegs sind – tagsüber stehen sie meist in Deckung, bewegen sich dort aber ebenfalls.
Im Einstand: in Deckung, im Dickicht, am Waldrand oder im hohen Feld. Sie ruhen und käuen wieder. In der Blattzeit im August und wenn die Felder hoch stehen, sind sie auch am Tag weit unterwegs.
Nein. Ausweichmanöver enden häufig am Baum oder im Gegenverkehr und sind gefährlicher als der Zusammenstoß. Fest bremsen, Lenkrad gut festhalten, Spur halten.
Fernlicht hilft, Wild frühzeitig zu erkennen – die Augen reflektieren. Sobald Du ein Tier siehst, blende ab: Grelles Licht lässt Wild erstarren, statt es zu vertreiben. Hupen hilft zusätzlich.
Unfallstelle absichern, Polizei verständigen. Sie informiert den zuständigen Jagdausübungsberechtigten, der eine Nachsuche durchführt. Verletztes Wild niemals selbst töten und nie mitnehmen – das wäre Wilderei.