Verhalten und Ausrüstung
Warmer Ansitz bei Eis und Kälte
Die häufigste Ursache für einen abgebrochenen Winteransitz ist nicht die Kälte. Es ist der Schweiß vom Weg zur Kanzel.
Der Fehler, den fast alle machen
Die meisten Jäger ziehen sich zu Hause vollständig an, marschieren zur Kanzel – manchmal noch die letzten hundert Meter im Pirschschritt – und wundern sich, warum sie nach einer Stunde frieren.
Der Grund: Auf dem Weg wird geschwitzt. Die Feuchtigkeit bleibt in der Kleidung, und sobald man ruhig sitzt, kühlt sie den Körper aktiv aus. Keine Jacke der Welt kann das ausgleichen.
Besser so
Leichter losgehen als nötig – die Jacke im Rucksack oder über dem Arm. Oben angekommen zehn Minuten sitzen bleiben und die Feuchtigkeit ausdampfen lassen. Erst dann die äußerste Schicht anziehen und sich einpacken. Das ist der wirksamste einzelne Tipp für den Winteransitz – und er kostet nichts.
Hände und Füße zuerst
Beide sind am weitesten vom Herzen entfernt und kühlen zuerst aus. Deshalb lohnt hier die Investition am meisten.
Stiefel
Bei Winterstiefeln gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal. Die Temperaturangaben auf der Verpackung sind oft großzügig gerechnet – ein Stiefel, der mit „bis −30 °C“ beworben wird, kann bei leichtem Frost schon an seine Grenze kommen.
Probier die Stiefel im Laden mit Wintersocken und Isoliersohle an und kauf sie eine halbe bis eine Nummer größer. Ein zu enger Schuh drückt auf die Durchblutung; dann friert der Fuß trotz Daunenfutter. Wer mit herkömmlichen Mitteln nicht zurechtkommt, für den sind beheizte Sohlen eine ernsthafte Option.
Handschuhe
Hier gibt es keine einzige richtige Lösung, weil sich zwei Anforderungen widersprechen: Wärme und Fingerfertigkeit. Drei Wege funktionieren:
- Muff plus dünne Handschuhe. Während des Wartens sind die Hände im Muff, zum Schuss kommen sie heraus. Sehr warm, sehr bewährt.
- Klapp-Fäustlinge. Die Fingerkappe lässt sich zurückschlagen; darunter liegen die Finger frei oder in einem dünnen Handschuh.
- Zwei Lagen. Dünne Handschuhe unter dicken Fäustlingen – zum Schuss kommen nur die Fäustlinge weg.
Was nicht funktioniert: dicke Fingerhandschuhe. Jeder Finger steht einzeln in der Kälte und kühlt entsprechend schnell aus.
Wärmekissen im Vergleich
| Art | Funktion | Haken |
|---|---|---|
| Einweg-Wärmekissen | Reagiert mit Luftsauerstoff, gibt über Stunden gleichmäßig Wärme ab. | Nicht wiederverwendbar – Müll nach jedem Ansitz. |
| Knickkissen | Ein Metallplättchen löst die Kristallisation aus, das Kissen wird sofort warm. | Kürzere Wärmedauer; Regeneration im kochenden Wasser nötig. |
| Akkubetriebene Heizung | Weste, Sohlen oder Heizgürtel, Wärme regelbar. | Hält nur so lange wie der Akku – Ersatz mitnehmen. |
Und der Herbst?
Der Herbst ist die Hauptjagdsaison – Erntejagden, Drückjagden, Entenjagd. Hier geht es weniger um Kälte als um Sicherheit: viele Beteiligte, flüchtiges Wild, schlechte Sicht. Was dabei zählt, steht in den Beiträgen Drückjagd und Sicherheit als oberstes Gebot.
Welche Kleidung im Einzelnen taugt, steht im Beitrag Ansitz im Winter.
Häufige Fragen
Vollständig angezogen zur Kanzel gehen. Auf dem Weg schwitzt man, die Feuchtigkeit bleibt in der Kleidung, und oben kühlt sie einen aus. Besser: leichter losgehen, oben ausdampfen lassen, dann die Jacke anziehen.
Die Temperaturangaben der Hersteller sind oft optimistisch. Probiere die Stiefel mit Wintersocken und Isoliersohle an und kaufe sie eine halbe bis eine Nummer größer. Bei Winterschuhen ist Sparen selten sparsam.
Fäustlinge halten wärmer, taugen aber nicht zum Schießen. Bewährt haben sich Klapp-Fäustlinge, bei denen die Fingerkappe zurückgeschlagen wird, sowie ein Muff mit dünnen Handschuhen darunter.
Einwegkissen reagieren mit Luftsauerstoff und halten viele Stunden, sind aber nicht wiederverwendbar. Knickkissen mit Metallplättchen lassen sich in kochendem Wasser regenerieren, geben ihre Wärme dafür kürzer ab.