Echinococcus multilocularis
Fuchsbandwurm: Was Jäger wissen sollten
Beeren am Wegrand gelten als Hauptrisiko. Die Forschung sieht das anders – und rückt den eigenen Hund in den Mittelpunkt.
Stand dieses Beitrags: 20. September 2018
Der Beitrag beschreibt ein 2018 gestartetes Forschungsvorhaben des Universitätsklinikums Ulm und der Kreisjägervereinigung Ravensburg. Zum aktuellen Stand der Verbreitung und zu Empfehlungen für die Entwurmung geben das Robert-Koch-Institut und Dein Tierarzt Auskunft.
Das Forschungsvorhaben
Weil der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) zunehmend häufiger nachgewiesen wurde, haben das Universitätsklinikum Ulm und die Kreisjägervereinigung Ravensburg 2018 ein gemeinsames Forschungsprojekt gestartet. Die Uniklinik Ulm beschäftigt sich seit Jahren mit dem Parasiten und führt eine Datenbank zu seiner Verbreitung; bundesweit waren damals 523 Fälle erfasst.
Untersucht werden sollten die Zusammenhänge zwischen End-, Zwischen- und Fehlwirten unter Berücksichtigung von Umweltfaktoren. Dazu wurden in den Kommunen Leutkirch und Isny Füchse erlegt und an der Universität Hohenheim seziert, um den Darmtrakt auf Befall zu untersuchen. Ergänzend wurden Mäuse gefangen und zusätzlich auf Hantaviren geprüft.
Der Kreislauf
Der Fuchs ist der Endwirt: In seinem Darm sitzt der ausgewachsene Bandwurm, die Eier gelangen mit der Losung nach draußen. Mäuse nehmen sie auf und sind die Zwischenwirte. Frisst ein Fuchs – oder ein Hund – eine befallene Maus, schließt sich der Kreis.
Der Mensch ist ein Fehlwirt. Nimmt er Eier auf, können sich Larven ansiedeln, vor allem in der Leber, und dort über Jahre unbemerkt wachsen. Infektionen sind selten, die Erkrankung ist aber ernst.
Das eigentliche Risiko sitzt neben Dir
Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass das Sammeln von
Pilzen und Beeren ein untergeordnetes Risiko
darstellt. Die größere Gefahr geht von jagenden und wildernden
Hunden aus, die Mäuse fangen und anschließend engen Kontakt zu
Menschen haben.
Für Jäger und Hundeführer bedeutet das eine doppelte Belastung – und
es ist der Grund, warum sich die Kreisjägervereinigung an dem
Forschungsprojekt beteiligt hat.
Was praktisch hilft
- Den Jagdhund regelmäßig entwurmen lassen. Das Intervall bespricht der Tierarzt – bei Hunden, die viel mäuseln, ist es kürzer als beim Stadthund.
- Beim Abbalgen von Füchsen Handschuhe tragen und danach gründlich die Hände waschen.
- Hunde nicht ins Gesicht lecken lassen – besonders nicht nach einem Revierspaziergang.
Wie Jagdhunde ausgebildet und geführt werden, steht auf der Seite Jagdhund ausbilden lassen.
Der Fuchsbandwurm ist nicht der einzige Parasit, der über das Wildbret zum Menschen gelangen kann. Beim Schwarzwild sind es die Trichinen – dort ist die Untersuchung deshalb Pflicht, nicht Empfehlung.
Häufige Fragen
Eine Infektion ist selten, kann aber schwer verlaufen. Die Larven siedeln sich vor allem in der Leber an und wachsen über Jahre unbemerkt. Deshalb ist Vorbeugung wichtiger als Früherkennung.
Nach den vorliegenden Studien ist das Risiko dabei gering. Die größere Gefahr geht vom engen Kontakt mit infizierten Endwirten aus – also von Füchsen und von Hunden, die Mäuse fangen.
Sie haben Kontakt zu erlegten Füchsen und führen zugleich Hunde, die im Revier mäuseln. Beides sind Wege, auf denen die Eier in die Nähe des Menschen gelangen.
Den Jagdhund regelmäßig gegen Bandwürmer behandeln lassen, beim Abbalgen von Füchsen Handschuhe tragen und die Hände gründlich waschen. Die Entwurmungsintervalle bespricht der Tierarzt.